Putzmunter GmbH
 
 
 
 
 

Artikel aus Berliner Zeitung, 15. August 2005
DIE POLITIKERINNEN-WG
Oft sind die drei Damen aus dem Bundestag nicht zusammen in ihrer WG. Nicolette Kressl (46), Lydia Westrich (55) und Barbara Hendricks (53) sind Abgeordnete, alle in der SPD-Fraktion. Nicolette Kressl ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende für Bildung und Frauen, Lydia Westrich arbeitet im Finanzausschuss und Barbara Hendricks ist Staatssekretärin im Finanzministerium. Wegen des Regierungsumzugs vom Rhein an die Spree leben sie seit vier Jahren während der Sitzungswochen in Berlin. Kennen gelernt haben sich die drei schon in Bonn, als sie im Finanzausschuss arbeiteten. "Dieser Ausschuss ist nicht gerade eine Frauendomäne. In unserer Fraktion waren wir die einzigen", sagt Nicolette Kressl. "Das schweißt zusammen." In Berlin im Hotelzimmer zu wohnen, kam nicht in Frage: "Wir wollten uns ein Ersatz-Zuhause schaffen, es uns hier gemütlich machen." Die 180 Quadratmeter große Altbau-Wohnung in Tiergarten hat Parkettfußboden und Stuck an den Decken. Die großen, schweren Zimmertüren stehen meistens offen. Allabendlicher Treffpunkt ist die Wohnzimmer-Couch. In Bademantel und Hausschlappen werden die "Tagesthemen" geschaut. "Wir diskutieren immer über die Beiträge. Meistens bekommen wir nach dem ersten Thema schon nichts mehr von der restlichen Sendung mit", sagt Lydia Westrich. Eine von ihnen kann ganz sicher berichten, dass sie bei diesem Ausschuss oder in jener Sitzung dabei war. Dann wird bei Rotwein und Zigaretten der Tag ausgewertet. "Wir lästern natürlich über den einen oder anderen Kollegen, aber wir suchen auch gemeinsam nach Problemlösungen", sagt Barbara Hendricks. Dies sei die wichtigste Funktion der WG, in der "höchstens mal über die Herkunft von gutem Wein" gestritten wird. Schließlich seien sie Politikerinnen, also gewohnt, andere zu überzeugen. In den sitzungsfreien Wochen, den parlamentarischen Ferien und an den Wochenenden fliegen die drei in ihre Wahlkreise, wo Familie und Freunde leben. Für Nicolette Kressl geht's nach Baden-Baden, für Lydia Westrich nach Pirmasens in der Pfalz und für Barbara Hendricks nach Kleve am Niederrhein. "Die typischen WG-Streitpunkte fallen bei uns nicht an", sagt Nicolette Kressl. Gekocht wird fast nie, und es gibt eine Spülmaschine. Alle zwei Wochen macht eine Putzfrau von der Kreuzberger Agentur Putzmunter sauber. "Frau Sägebrecht kommt seit Jahren, sie kennt jede Ecke", sagt Lydia Westrich und schaut um sich. Da ist wirklich kein Krümel am Boden, kein Staub auf dem Regal. Die morgendliche Badezimmernutzung wird am Abend vorher eingeteilt. "Ich gehe oft schon gegen sechs Uhr", sagt Nicolette Kressl, "weil ich früh weg muss und lange brauche." Barbara Hendricks nickt: "Dann komme ich dran und Lydia geht zuletzt." Gemeinsames Frühstück "heißt bei uns, mit Kaffeetasse durch die Wohnung zu rennen". Damit die Mitbewohnerinnen bei der Arbeit nicht verhungern, schmiert Nicolette Kressl Brote. Sie geht auch einkaufen und wirft abgelaufene Lebensmittel weg. Und sie hat die Macht über die Fernbedienung an den Fernsehabenden.
Anne Vorbringer
 
Artikel aus FAZ, Nr. 273, 22. November 1999
Lohn für Hausarbeit, das gibt es jetzt

Wer putzt seine Wohnung selbst? Und wer putzt sie legal?

Das wäre mal ein Fest für die Neue Mitte gewesen, wenn Walter Momper seiner "Putzfrauenaffäre" politisch etwas abgewonnen hätte. Von der "Welt", die Politikern täglich "Kopfnoten" erteilt, bekam der SPD-Spitzenkandidat jedenfalls damals für sein unverkrampftes Geständnis in einer Talkshow eine gute Note, natürlich beschäftigten seine Frau und er eine Putzfrau, und, klar, die werde schwarz bezahlt! Was dann passierte. war gar nicht komisch. Alle Boulevardzeitungen druckten die verlogenen Beteuerungen aller möglichen Professoren und Politiker, sie putzten gemeinsam mit ihrer Frau, Hemden bügeln sei herrlich kontemplativ, und sie liebten es einzukaufen. Dabei sieht man nur zwei Politiker regelmäßig samstags auf dem Winterfeldmarkt einkaufen, beide aus der CDU: Dietrich Mahlo und Peter Kurth. Beim Momper-induzierten Rückfall ins Verlogene blieb es. Keiner kam auf die Idee, einen politischen Vorschlag zur Frage zu machen. wie reguläre Bürger zwei bis drei Stunden pro Woche Hilfe im Haushalt bekommen können, ohne Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Sozialbetrug zu unterstützen.

Die Putzfrau ehrlich machen

Dabei wäre es einfach, seine "schwarze Perle" ehrlich zu machen. Man geht zum Arbeitsamt, meldet einer Betrieb an, erhält eine Betriebsnummer und einen Meldevordruck, mit dem man seine neue Arbeitnehmerin bei der AOK anmeldet und, nach Prüfung des einzelnen Falles, für sie Sozialabgaben entrichtet. Wer seine Putzfrau heute üppig mit zwanzig Mark pro Stunde entlohnt, die diese Netto für sich verbucht, wird feststellen, dass es nur zehn Prozent Krankenversicherungsbeitrag und zwölf Prozent Rentenversicherungsbeitrag zusätzlich kostet, sie legal anzustellen. Wenn aber die Putzfrau mehrere Stellen hat und sie die Einkommensgrenze von 630 Mark pro Monat überschreitet, unterliegt sie der regulären Versicherungspflicht und muss auch Arbeitnehmerbeträge zahlen: 19,5 Prozent in die Rentenversicherung und in Berlin 14,9 Prozent für die AOK. Kurze Zeit nach Mompers "Putzfrauenaffaire" schickte die Firma "Putzmunter" an die Berliner Abgeordneten ein Blatt, auf dem ihre Angebote nach Art und Preis verzeichnet waren. Rasch stellten die Gesellschafterinnen - drei anderweitig fest angestellte Frauen und zwei gemeinnützige Vereine - fest: Die Werbeaktion war rausgeschmissenes Geld gewesen. Die "Putzfrauenaffaire" hemmte die Berliner Politiker, Dienstleistungen im Haushalt in Anspruch zu nehmen, auch dann noch, wenn von Ausbeutung keine Rede sein kann. Der Service von "Putzmunter" kostet immerhin 30 Mark pro Stunde - plus Mehrwertsteuer. Die dort angestellten Frauen verdienen ein Tarifgehalt, und der Tarif ist der als anständig geltende Berliner Gebäudereinigertarif. Der arme Momper verlor bekanntlich die Wahl. Nun ist er Vize-Parlamentspräsident, und vielleicht ergibt sich für ihn mal eine Gelegenheit, über skandalös große Klüfte zwischen sozialer Wirklichkeit und der Gesetzeslage nicht nur zu räsonieren, sondern Vorschläge zu machen, wie diese eine Heuchler-Ritze zumindest zu schließen wäre. Einstweilen hat sich auch für dieses gesellschaftspolitische Dilemma - viele beschäftigen eine Putzfrau, doch wenige tun es legal - eine private Lösung gefunden. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist gegründet worden, Kredite wurden aufgenommen, Angestellte eingestellt und Aufträge angenommen. Anträge auf Umweltförderung und auf Lohnkostenzuschüsse wurden gestellt und schließlich auch bearbeitet und bewilligt. Nun existiert in einem Kreuzberger Hinterhaus der Betrieb "Putzmunter. Reinigung nach Hausfrauenart. Bügelanstalt für Herrenoberbekleidung. Schneidern. Buchen laufender Geschäftsvorfälle". Die altertümliche Begrifflichkeit verdankt sich der Gewerbeordnung. Wer seine Wohnung oder sein Haus nicht selber putzen will oder kann, muss in Berlin seit einigen Monaten nicht mehr die Schwarzarbeit fördern. Man kann "Putzmunter" den Auftrag geben. Man kann sehr spezifische Wünsche äußern: einmal im Monat die Fenster putzen, Wäsche waschen, den Kasten Mineralwasser stets gefüllt halten, Schuhe zum Besohlen tragen, Jacketts aus der Reinigung holen, die Vorräte aufstocken: <...>. Frauen aller Gesellschaftsschichten haben schon einmal gedacht: "Und wenn ich putzen gehen muss ..." Tröstlich ist der Gedanke eigentlich nicht; aber er soll ja vor allem signalisieren, wie hoch die Motivation ist, alles andere zu versuchen, um nur das Putzen abzuwenden. Die Dienstmädchen und Hauslehrerinnen der Jahrhundertwende hat Fabrikluft frei gemacht: Alles war besser bezahlt und leichter zu ertragen als die abhängigen Stellungen in anderer Leute Häuser. Die Arbeitsplätze in der industriellen Fertigung schwanden, zumal in Berlin, in unglaublicher Geschwindigkeit. Die Frauen aber, die erwerbstätig sind, haben keine Zeit, keine Lust oder keinen Ehrgeiz, in ihrer Freizeit im eigenen Haushalt tätig zu werden. Andere Frauen dafür zu bezahlen, für sie zu putzen, das macht allerdings vielen ein schlechtes Gewissen. Und so kommt es zu Verrenkungen zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmerin, von denen viele Frauen hässliche lange Geschichten erzählen können: üppiger Weihnachtsgeschenke, devot vorgetragene Bitten, doch gelegentlich mal die Jalousien abzustauben, regelrechte Machtkämpfe, verkleidet als Debatten über die richtige Blumenpflege. Unsicherheiten über Urlaubsgeld. Weihnachtsgeld? Was geben hart arbeitende (und hohe Steuern zahlende) Frauen anderen Frauen dafür, die Heimfront zu halten? Was wäre da angemessen, was ist Ausbeutung? Angemessen, das ist nach Meinung von "Putzmunter"-Gründerinnen der Gebäudereiniger- Tarif, der 15 Mark Stundenlohn vorsieht. Dafür sind die siebzehn Frauen, die dort inzwischen ihren Arbeitsplatz haben, sozial- und krankenversichert. Sie haben Anspruch auf Urlaub und auf eine 39-Stunden Woche. "Wir sind die Inkarnation von Lohn-für-Hausarbeit", sagt Birgit Arkenstette. Sie ist Gesellschafterin des "Arbeits- und Kulturzentrums", das langzeitarbeitslose Frauen ausbildet. Sie ist inzwischen ein Routinier des zweiten Arbeitsmarktes: Da gebe es jedes Jahr neue Moden, mal die Jugend, mal die Frauen, mal die Alten, mal die Ausländer. Sie kennt die Instrumente öffentlicher Förderungen, die Szene und das Antrags-Chinesisch der Arbeitsbeschaffung. Es sei leichter, Kunden zu finden als Mitarbeiterinnen, die die modernen Tugenden einer guten Putzfrau - Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Flexibilität - mitbringen, sagt Arkenstette. Den Tarif und die Arbeitsbedingungen empfindet sie als "faires Angebot für Ungelernte. Doch die sehen es anders." Die einen finden, sie verdienten mit der harten Arbeit zu wenig Geld, den anderen schmeckt die Arbeit nicht. Wer arbeitslos ist und staatliche Transferleistungen bezieht, kann mit wenig Schwarzarbeit netto ziemlich komfortabel relativ viel Geld beziehen. Die Verführung zur Schwarzarbeit ist groß. Zu Zeiten, als Walter Momper Regierender Bürgermeister einer rot-grünen Koalition war, stellte Frau Arkenstette bei der zuständigen Senatsverwaltung den Antrag auf Förderung einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte für Gebäudereiniger - für Mädchen. Das sei damals, sagt Birgit Arkenstette, mit einer feministischen Begründung abgelehnt worden. Das Geld vom Staat sollte nicht dafür ausgegeben werden, "typisch weibliche" Arbeit professionell und mit der Aussicht auf Gewinn zu erlernen. In Berlin, sagt sie, gibt es nur drei oder vier weibliche Gebäudereinigerinnen. Die nachts in Büros und Arztpraxen sauber machen, sind Frauen. Ihre Chefs sind Männer.

Kein Modell für Unternehmer

Also sind die drei Frauen und zwei gemeinnützigen Vereine, aus denen "Putzmunter" besteht, Ende 1997 den grotesken Weg durch die Institutionen und kreditgebenden Banken gegangen, haben schließlich Privatkredite aufgenommen, brav monatelang auf behördliche Genehmigungen gewartet und allmählich im Freundes- und Bekanntenkreis die ersten Kunden geworben. Zur Eröffnung der Wäscherei und Bügelei kam der Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz und plättete sein Hemd selbst. Es stehen dort eine große gasbeheizte Miele-Waschmaschine und ein Trockner, zwei Bügelautomaten; das Wasser wird mit einer Umkehr-Osmose-Anlage entsalzt und mit einer Rückgewinnungsanlage mehrfach genutzt, das Licht ist augenfreundlich: Alles ist ökologisch wertvoll. Hemden und Blusen werden von "Putzmunter" abgeholt und gebracht, je mehr man hat, desto billiger wird der Preis pro Stück. "Eine Existenz kann man so nicht gründen", sagt Birgit Arkenstette. Eine neu gegründete Firma, die gesetzestreu einen Schritt nach dem anderen macht und schon Miete für Räume und Gehalt an Angestellte zahlt, ehe sie noch arbeiten kann, das taugt nicht als Modell für Unternehmertum. "Putzmunter" wird sich erst dann finanziell tragen, wenn es Aufträge für elf Vollzeit-Arbeitsplätze gibt. Soweit ist es noch nicht. Bislang ist es der Versuch, Klarheit und Legalität in ein Feld zu bringen, in dem Schwarzarbeit und Heuchelei blühten: in den Haushalt.
Mechthild Küpper
 
Artikel aus tip Berlin, 03. April 2007
101 Dinge, die man jetzt machen kann
Frühling in Berlin
Putzen lassen
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H. Zwirner u.a.